Was braucht es, damit das Neue sich zeigt?
30.07.2020
Gabriel Fehrenbach

Ein Apfelbaum wächst auch ohne Change-Management.

Transformation braucht nur eine einzige Frage.

Alles Leben will sich entfalten. Wenn wir das verstehen, können wir Transformation auf die Füße stellen. Dann braucht es kein Change-Management und keine Change-Agents. Wir brauchen auch kein Presencing, keine Führung aus der Zukunft heraus. Denn das Neue ist bereits da. Damit es sich entfaltet, braucht es eine einzige Frage.

Der Samen eines Apfels enthält schon den ganzen Baum. Und wenn wir ihn in die Erde stecken, brauchen wir nichts mehr zu tun. Denn es gilt: je weniger wir ihn stören, desto stärker wird er.
Leben ist Veränderung. Das gilt auch für unsere Organisationen. Auch die sind Veränderung. Doch das erkennen wir nicht. Wir richten sie auf Sicherheit und Kontrolle aus und machen sie dort starr, wo sie sich verändern wollen. Wir meißeln sie in Stein. Und glauben, wir würden uns damit stark machen. Weil das aber nicht funktioniert, braucht es Veränderung, die wir gestalten und formen.
Wenn wir aber gleich zu Beginn Stein und Meißel beiseitelegen, braucht es auch den Rest nicht, nicht die Starre, nicht das Change-Management. Dann geschieht Veränderung von allein. Und die einzige Frage, die wir uns dann zu stellen haben, lautet: Was braucht es, damit das Neue sich zeigen kann?

 

 

Unser Wunsch nach Sicherheit macht das Leben unberechenbar

 

Wenn wir uns diese Frage stellen – egal in welchem Kontext – wird es erst einmal unangenehm. Denn sie konfrontiert uns vor allem mit dem, mit dem wir uns selbst im Wege stehen. Mit unseren Mustern und Glaubenssätzen, unseren Ideologien, nicht zuletzt mit unserer Art, Organisationen zu bauen und zu führen. Selbst Agilität ist etwas, das in die Irre führt. Denn es nicht vom Leben oder von der Organisation selbst heraus gedacht, sondern ein weiteres Korsett, in das wir unsere Unternehmen einzwängen.

Das Leben ist unberechenbar. Das war für viele in der Corona-Krise die schwierigste Erkenntnis. Was im einen Moment noch galt, war im anderen schon nicht mehr existent. Dabei ist das Leben nicht unberechenbar. Nur unser Wunsch nach Sicherheit, unser Wunsch, das Leben berechnen zu können, macht es unberechenbar. Denn Leben will ausgleichen – will kontinuierlich auf die Veränderungen in seinem Kontext eingehen. Leben ist immerwährende Dynamik.

Alte Muster, Vorstellungen und Lebensweisen loszulassen ist der Preis. Was wir dadurch gewinnen, ist ein Höchstmaß an Beweglichkeit und Freiheit. Und darin steckt uns für uns die Chance, den Wandel, der sowieso geschieht, nicht als Verlust zu verstehen. Sondern als den Weg zu etwas Neuem. Was wir dazu brauchen, sind soziale Strukturen, die ermöglichen, statt zu kontrollieren. Wie schauen solche Organisationen aus? Wie schaut eine Demokratie aus, die der Veränderung den Raum gibt? Wie schaut eine Wirtschaft aus, die Natur nicht zerstört, sondern sich danach ausrichtet, unsere Ressourcen zu mehren?
Die Antworten darauf sind schon da. Wir müssen uns nur für sie entscheiden. Uns frei machen, uns verändern. Auch dafür reicht die eine Frage: Was braucht es, damit das Neue sich zeigen kann?

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